So hältst du 20 Spieler in einer Trainingseinheit in Bewegung

20 Spieler auf dem Platz, ein Ball. In einer Übung mit Anstehen stehen 18 Spieler herum und warten, bis sie dran sind. Eine australische Studie hat festgestellt, dass Spieler in typischen Einheiten im Jugendfußball 31 % der Trainingszeit inaktiv sind – und weitere 6 % gehen bei den Wechseln zwischen den Übungen verloren [1]. Ein Drittel der Einheit ist verschenkt.

Das Problem liegt im Aufbau der Übungen. Wie du 20 Spieler die ganze Einheit über in Bewegung hältst, zeigen die Studien weiter unten.

Warum es auf Ballkontakte ankommt

Mehr Ballkontakte bedeuten schnellere Fortschritte. Und je kleiner die Spielform, desto öfter hat jeder Spieler den Ball.

SpielformAktionen / Spieler / Min.Quelle
4 gegen 45,59Brandes et al. [2]
7 gegen 72,78Brandes et al. [2]
4 gegen 4 vs. 8 gegen 83-mal so viele BallkontakteJones & Drust [3]

Spannend ist, wer am meisten davon hat. Brandes et al. stellten fest, dass schwächere Spieler ihre Aktionen um 143 % steigerten, wenn vom 7 gegen 7 auf 4 gegen 4 umgestellt wurde. Stärkere Spieler legten um 72 % zu [2]. Wer in größeren Spielformen oft übergangen wird, gewinnt am meisten Ballkontakte dazu.

Drei Prinzipien: kleiner, aufteilen, eigener Ball

1. Die Spielform verkleinern

Eine systematische Übersichtsarbeit (Hill-Haas et al., 2011) zeigte, dass Mannschaften mit 3–4 Spielern sowohl physiologisch als auch technisch die besten Ergebnisse bringen [4]. Katis und Kellis (2009) bestätigten das: Im 3 gegen 3 gab es deutlich mehr kurze Pässe, Schüsse, Zweikämpfe, Dribblings und Tore als im 6 gegen 6 [5].

3 gegen 3 mit Torhütern – TacticsBoard
3 gegen 3 mit Torhütern – angreifen, verteidigen und Tore schießen auf engem Raum.

Teil 20 Spieler auf mehrere kleine Spielformen auf, und fast alle spielen die ganze Zeit.

4 gegen 4 auf drei Tore – TacticsBoard
4 gegen 4 auf drei Tore – die Mannschaft mit drei Toren sucht das offene Tor, die Mannschaft mit einem Tor greift direkt an.

2. In Stationen aufteilen

Beim Stationstraining (Carousel) wird die Gruppe auf 3–4 Stationen verteilt, an denen jeweils eine andere Übung zum selben Thema läuft. Die englische FA empfiehlt diesen Aufbau besonders für große Gruppen [6].

Rondo 4 gegen 1 – TacticsBoard
Rondo 4 gegen 1 – vier passen, einer presst. Passübung unter Druck.

Beispiel zum Thema „Passen unter Druck“:

Alle 6–8 Minuten wird gewechselt. Jeder Spieler macht jede Übung. Keiner steht herum.

3. Ein eigener Ball für jeden

Gib beim Aufwärmen jedem Spieler einen eigenen Ball. So machen ab der ersten Minute 100 % mit. Dribbling, Drehungen, Ball abschirmen – alles beginnt ohne Warten.

Die 30-Sekunden-Regel

Eine praktische Faustregel: Kein Spieler sollte länger als 30 Sekunden warten, bis er wieder aktiv ist. Wenn sich das Warten auf 2–3 Minuten zieht, verlieren die Spieler die Konzentration, und der Lerneffekt ist weg.

Beobachtungen des finnischen Fußballverbands stützen das: In 40 % der Kindertrainings wurde so viel herumgestanden, dass die aktive Zeit nicht über 60 % lag [7]. Selbst in Profi-Nachwuchsleistungszentren erreicht die aktive Zeit im Schnitt nur 63 % und liegt damit unter dem Ziel von 70 % [8].

Beispiel-Einheit: 20 Spieler, 75 Minuten

Thema: Passen und Ballannahme in der Bewegung.

PhaseDauerAufbauSpieler
Aufwärmen10 Min.Jeder mit Ball: Dribbling, Drehungen, Passen zu zweit20 (alle in Bewegung)
Stationen30 Min.4 Stationen, Wechsel alle 7 Min.5 pro Station
Spielformen25 Min.2 × 4 gegen 4, Auswechselspieler rotieren rein4 pro Mannschaft
Abschlussspiel10 Min.2 × 5 gegen 5 mit Regeln zum Thema10 pro Feld

In diesem Aufbau ist jeder Spieler die ganze Einheit über aktiv. Keine Schlangen. Kein Warten.

Du brauchst genug Trainer

Vier Stationen laufen nicht mit einem Trainer. Teilst du 20 Spieler in vier Gruppen auf, brauchst du mindestens zwei Erwachsene, besser drei oder vier. Bei jüngeren Spielern ist der Bedarf noch größer.

Die englische FA folgt beim Betreuungsschlüssel den Richtlinien der NSPCC [9]:

AlterSchlüssel
4–8 Jahre1 Erwachsener pro 6 Kinder
9–12 Jahre1 Erwachsener pro 8 Kinder
13–18 Jahre1 Erwachsener pro 10 Kinder

In der Praxis sollte eine U10 mit 20 Spielern mindestens 3 Trainer haben. Stationstraining ist genau die Situation, in der es auf den Schlüssel ankommt: Ein Trainer kann nicht vier Stationen gleichzeitig betreuen.

Hast du nur einen oder zwei Trainer, nimm weniger Stationen und wähl Übungen, die ohne ständige Aufsicht laufen (Rondos, Spielformen mit klaren Regeln). Sei nachsichtig mit dir, wenn die Mittel nicht für den Idealfall reichen. Im Breitenfußball sind kleine Verbesserungen wie mehr Ballkontakte und weniger Herumstehen schon deutliche Schritte in die richtige Richtung.

Wechselzeit – der versteckte Verlust

O'Connor et al. (2018) stellten fest, dass allein 5,8 % der Trainingszeit auf die Wechsel zwischen den Übungen entfallen [1]. In einer 90-minütigen Einheit sind das über 5 Minuten. Dabei helfen Kleinigkeiten:

Die Zahlen im Überblick

Quellen

  1. O'Connor, Larkin & Williams (2018): "Observations of youth football training" — Journal of Sports Sciences
  2. Brandes, Heitmann & Muller (2012), reported in PLOS ONE (2021): 4v4 vs 7v7 actions per player
  3. Jones & Drust (2007): "Physiological and technical demands of 4v4 and 8v8" — Kinesiology
  4. Hill-Haas, Dawson, Impellizzeri & Coutts (2011): "Physiology of small-sided games" — Sports Medicine
  5. Katis & Kellis (2009): "Effects of small-sided games on physical conditioning and performance" — Journal of Sports Science & Medicine
  6. England FA (2024): "How to Design Football Practices"
  7. Finnish FA (2022): "Finnish youth football sessions observed 2022"
  8. Alder, McRobert, Champ, Causer & Andrew (2025): "Practice activities in a professional female soccer academy" — International Journal of Sports Science & Coaching
  9. The FA / NSPCC (2024): "Ratios of Adults to Children" — FA Safeguarding Guidelines, Section 5.5

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