Verteidigen im 1 gegen 1 – so bringst du es bei

Bei der Überarbeitung seiner Ausbildungsleitlinien 2023 und in der Trainerausbildung für die einzelnen Altersphasen hat der finnische Fußballverband (Palloliitto) zwei Schwerpunkte für die Entwicklung gesetzt: den ballführenden Angreifer und den Spieler, der gegen den Ballführenden verteidigt. „Durch verschiedene Studien und internationale Vergleiche haben wir festgestellt, dass das Können dieser Spieler bei uns klar ausbaufähig ist“, schreibt der Verband [1].

Das Verteidigen im 1 gegen 1 steht damit im Mittelpunkt der Spielerentwicklung in Finnland. Was entscheidet es eigentlich?

Körperkontrolle statt Tempo

Duarte et al. (2012) haben U12-Spieler im 1 gegen 1 untersucht. Erfolgreiches Verteidigen zeichnete sich durch eine vorhersehbare Positionierung aus und dadurch, dass der Verteidiger die Möglichkeiten des Angreifers einschränkte [3]. Der Verteidiger lenkt die Situation, statt nur zu reagieren.

Wilson et al. (2018) haben das Verteidigen im 1 gegen 1 bei 17-Jährigen in über tausend Versuchen gemessen. Die Sprintgeschwindigkeit sagte den Erfolg in der Abwehr überhaupt nicht voraus [4]. Besser verteidigten die Spieler, die besser dribbeln konnten. Die Arbeit am Ball entwickelt offenbar dieselbe Körperkontrolle und Balance, die das Verteidigen verlangt.

Die Abwehrprinzipien der FIFA

Das Talent Coach Programme der FIFA beschreibt die Prinzipien für den ballnahen Verteidiger (D1) [5][6]:

PrinzipIn der Praxis
KörperhaltungTief und seitlich stehen. Nie frontal zum Angreifer.
AnlaufenIm Sprint den Abstand verkürzen, mit kleinen Schritten abbremsen. Im Gleichgewicht bleiben.
Abstand beim Stellen2–3 Meter, wenn der Angreifer den Ball bekommt.
Richtung vorgebenDen Angreifer nach außen drängen. Von innen anlaufen.
Auslöser fürs PressingSchlechte Ballannahme, langsamer Pass, Angreifer mit dem Rücken zum Tor.

Vier Schritte

Forschung und FIFA-Material nutzen dieselben vier Schritte [5][6]:

  1. Dem Angreifer die Zeit am Ball nehmen.
  2. Im Gleichgewicht bleiben und die Position halten.
  3. Den Angreifer in einen weniger gefährlichen Raum lenken.
  4. Ins Tackling gehen, aber nur, wenn die Chancen gut stehen.

Die meisten erfolgreichen Abwehraktionen enden schon bei Schritt 2 oder 3. Das Tackling ist der riskanteste Schritt: Die meisten akuten Verletzungen im Fußball passieren im Zweikampf, besonders beim Tackling [7]. Ein guter Verteidiger löst die Situation, bevor er ins Tackling gehen muss.

Schattenverteidigen – TacticsBoard
Schattenverteidigen – der Verteidiger spiegelt den Angreifer im Abstand von etwa einem Meter und lenkt die Richtung, ohne zum Ball zu gehen.

Wann du das Verteidigen beibringst

FIFA und Palloliitto folgen derselben Abfolge [2][8][9]:

Die U15-Einheit der FIFA aus Südafrika trainiert das Verteidigen schrittweise: 1 gegen 1 → 1 gegen 2 → 2 gegen 3 → 3 gegen 4 → 4 gegen 5 [6]. Jede Stufe bringt mehr taktische Komplexität, die Grundlage aus dem 1 gegen 1 bleibt.

Kleine Spielformen und gezieltes Üben

Kleine Spielformen (3 gegen 3, 4 gegen 4) erzeugen die meisten individuellen Abwehrsituationen: Tacklings, Verzögern und Umschalten [11]. Größere Formen (7 gegen 7, 8 gegen 8) entwickeln das Verteidigen als Mannschaft, etwa Kompaktheit und das Zusammenspiel der Ketten.

Kleine Spielformen allein reichen aber nicht. In einer Studie verbesserten sich Abfangen und Tackling durch Training in kleinen Spielformen allein nicht [12]. Dafür braucht es gezieltes Üben. Die D1-Übung der FIFA ist ein gutes Beispiel: Der Verteidiger übt Anlaufen und Richtungsvorgabe auf begrenztem Raum, bevor es in den Spielzusammenhang geht [5].

2 gegen 2/3 gegen 3 auf Minitore – TacticsBoard
2 gegen 2/3 gegen 3 auf Minitore – eine Spielform mit mehreren Minitoren sorgt ständig für Abwehrsituationen, und ein Ballverlust löst sofort Pressing aus.

Pressing

Pressing ist eines von vier Spielprinzipien in der Philosophie der finnischen Jugendnationalmannschaften [10]. In den Worten des Verbands: „Das Zweikampfspiel ist natürlich ein wichtiger Teil des Pressings. Die Spieler brauchen ein schnelles Anlaufen und Techniken, um den Ball zu erobern.“

Das Gegenpressing ist genauso wichtig. Es wird mit vollem Tempo und gemeinsam gespielt, hört nach dem ersten Rückschlag nicht auf und geht bis zum Ende weiter [10]. Ein Verteidiger, der überspielt wird, verteidigt weiter.

So trainierst du das Verteidigen

Für dein Training heißt das:

Quellen

  1. Palloliitto (2025): "Coaching line put into practice through coach education" — age-phase training priorities
  2. Palloliitto (2023): "Coaching line updated in 2023"
  3. Duarte, Araújo, Davids, Travassos, Gazimba & Sampaio (2012): "Interpersonal coordination tendencies shape 1-vs-1 sub-phase performance outcomes in youth soccer" — Journal of Sports Sciences
  4. Wilson, Smith et al. (2018): "Predicting the defensive performance of individual players in one vs. one soccer games" — PLOS ONE
  5. FIFA Training Centre: "Defending in 1v1: Orientating attackers away from goal" (Talent Coach Programme)
  6. FIFA Training Centre: "South Africa U15: Fundamentals of attacking and defending"
  7. Fuller, Junge & Ekstrand (2004–2013): FIFA contact injury studies
  8. Palloliitto: "Good session structure creates the framework for player development"
  9. Palloliitto: "Youth phase U12–U15"
  10. Palloliitto: "Youth national team playing principles: Pressing"
  11. Clemente et al. (2021): "Effects of Small-Sided Game Interventions on Technical Execution and Tactical Behaviors" — Frontiers in Psychology
  12. "Agility development in youth soccer: the efficacy of fixed-role small-sided games" (2025) — Frontiers in Sports and Active Living

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