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Torschussübungen für den Nachwuchs: von der Schlange zum Schuss

Diese Übung kennst du wahrscheinlich. Zwölf Spieler stehen 20 Meter vor dem Tor in einer Schlange, der Trainer spielt einen Ball zu, einer schießt und elf schauen zu. Jemand holt den Ball hinter dem Tor, dann ist der Nächste dran. Das sieht ordentlich aus. Zählst du aber die Schüsse, kommt jeder Spieler erstaunlich selten dran.

Dieser Beitrag zeigt vier Änderungen, mit denen aus einer Schlange eine Torschussübung wird, in der die Spieler wirklich schießen. Jede stützt sich auf eine Studie oder auf die Trainerempfehlungen der FA, und zu jeder gibt es eine Übung, die du auf der Taktiktafel öffnen und anpassen kannst.

Die Schlange ist die häufigste Torschussübung und bringt die wenigsten Schüsse

Der englische Verband The FA fasst das Problem in drei Sätzen zusammen [1]: In der Schlange auf den Schuss zu warten, während alle zuschauen, kann einschüchtern, hat mit dem Spiel wenig zu tun und verringert die Wiederholungen, die ein Spieler beim Torabschluss bekommt.

Unsere eigene Übungsbibliothek ist da keine Ausnahme. Viele ihrer Torschussübungen sind Schlangen: Torschuss aus dem ruhenden Ball, Passen und Torschuss und Dribbling und Torschuss. Für die Schusstechnik taugen sie. Sie bringen nur wenige Schüsse, weil immer nur einer schießt, und das lässt sich ändern, ohne die Übung wegzuwerfen.

1. Mehr Tore, kleinere Gruppen

Die FA schlägt vor, die Mannschaft in kleinere Gruppen aufzuteilen [2]. Die Rechnung ist einfach. Wenn 12 Spieler vor einem Tor anstehen, schießt jeder einmal in zwölf Durchgängen. Mit drei Toren und Vierergruppen bekommt jeder in denselben zehn Minuten dreimal so viele Schüsse. Wenn du nicht genug große Tore hast, reichen zwei Hütchen oder ein Minitor.

Auch in kleinen Spielformen kommt es darauf an, wo die Tore stehen. Pulling, Twitchen und Pettefer (2016) filmten 12-Jährige beim 4 gegen 4 in vier Varianten [3]. Mit zwei normalen Toren gab es in 20 Minuten 18 Schüsse. Mit vier Toren im Spielfeld, auf die von vorne und von hinten geschossen werden durfte, waren es 45. Es spielten nur acht Spieler mit, die Zahlen sind also eher ein Beispiel. Die Richtung ist trotzdem eindeutig: Mehr Tore, näher am Geschehen, bringen mehr Schüsse.

2. Variiere Winkel, Fuß und Entfernung

García-Herrero und Kollegen (2016) verglichen zwei Arten, den Torschuss mit jungen Spielern zu trainieren [4]. Eine Gruppe wiederholte denselben Schuss. Bei der anderen veränderte sich der Schuss von Wiederholung zu Wiederholung. Nach zehn Einheiten traf die variabel trainierte Gruppe direkt am Ende genauer und auch noch eine Woche später. Die Wiederholungsgruppe verbesserte sich erst im Test nach der Woche Pause. Die Schussgeschwindigkeit stieg in beiden Gruppen.

In der Praxis heißt das: Ballposition, Schussfuß oder Entfernung ändern sich bei jeder Wiederholung. Der Torschuss-Parcours hat drei Stationen: einen kräftigen Schuss aus etwa 20 Metern, einen Schuss aus der Bewegung nach dem Ablegen des Passgebers aus etwa 14 Metern und zum Schluss einen Abschluss aus kurzer Distanz oder einen Halbvolley. So kann sich kein einzelner Schuss einschleifen. Beim Torabschluss aus drei Positionen kommt der erste Schuss nach einer Finte, der zweite nach einem Doppelpass und der dritte nach einer Flanke. Bei Barcelonas Torschuss-Übung wählt der Schütze selbst, zu welchem Hütchen er läuft, also ändert sich der Winkel in jeder Runde.

Auch eine Schlangenübung bekommt mit einer einzigen Regel Abwechslung. Beim Torschuss aus dem ruhenden Ball liegen die Bälle ohnehin in verschiedenen Winkeln 8–15 Meter vor dem Tor. Wird jeder zweite Schuss mit dem schwächeren Fuß ausgeführt, bringt derselbe Aufbau zwei verschiedene Wiederholungen.

3. Geh näher ran und lass ihnen Zeit

Masmoudi et al. (2021) ließen 32 Jungen im Alter von etwa 11 Jahren einen Schusspräzisionstest absolvieren [5]. Die Schussqualität war aus 6 Metern besser als aus 10, und mit einem Schuss alle 6 Sekunden besser als mit einem alle 3. Junge Spieler schießen genauer, wenn sie nah genug dran sind und Zeit haben, sich vorzubereiten.

Die FA sagt dasselbe in der Sprache der Trainer [2]: Junge Spieler schließen seltener direkt ab und müssen vielleicht näher am Tor stehen, um zu treffen. Im selben Artikel heißt es, dass bei der Euro 2020 82 % der Tore aus dem Strafraum fielen, ein guter Grund, das Torschusstraining dorthin zu verlegen.

Das klingt nach einem Widerspruch. Haben wir nicht gerade gesagt, dass es mehr Wiederholungen braucht? Ja, aber die Wiederholungen kommen von mehr Toren und kleineren Gruppen. Der einzelne Spieler kann seinen Schuss trotzdem in Ruhe ausführen.

4. Bring den Torabschluss ins Spiel

Silvino, Sarmento und Teoldo (2024) beobachteten 180 Spieler der Altersklassen U8, U10 und U12 [6]. Dieselben Mannschaften spielten 11 gegen 11 auf dem gesamten Spielfeld und die kleine Spielform ihrer Altersklasse. Die U8- und U10-Spieler schossen in der kleinen Spielform deutlich häufiger als auf dem großen Feld. Die FA empfiehlt aus demselben Grund Spiele im 2 gegen 2 und 3 gegen 3 [1] und weist darauf hin, dass 3 gegen 3 oder Futsal einen direkten Abschluss wahrscheinlicher machen [2]. Und wenn die Einheit chaotisch aussieht, ist das in Ordnung: Laut FA darf sie unordentlich aussehen [2].

Zwischen Schlange und Spiel gibt es Übungen, in denen der Gegner schrittweise dazukommt und die trotzdem viele Wiederholungen bringen. Bei Drehung und Torschuss nimmt der Spieler den Ball mit dem Rücken zum Tor an, legt ihn mit dem ersten Kontakt zur Seite und schießt mit dem zweiten. Klappt das, kommt ein Verteidiger dazu, von dem er sich wegdrehen muss. Beim zweiphasigen 1 gegen 1 zum Tor löst sich der Angreifer mit dem ersten Kontakt vom ersten Verteidiger und muss vor dem Schuss noch einen zweiten ausspielen.

Zweiphasiges 1 gegen 1 zum Tor – TacticsBoard
Zweiphasiges 1 gegen 1 zum Tor: Der erste Kontakt bringt den Ball aus dem Quadrat, und vor dem Schuss kommt ein zweiter Verteidiger heraus.

Beim 3 gegen 2 Torabschluss treten drei Angreifer gegen zwei Verteidiger an, und der ballführende Spieler muss entscheiden, ob er selbst schießt oder zum freien Mitspieler passt. Nach einem Tor bekommen die Angreifer einen neuen Ball und greifen in die andere Richtung an, es gibt also keine Pause.

3 gegen 2 Torabschluss – TacticsBoard
3 gegen 2 Torabschluss: Die Überzahl zwingt den ballführenden Spieler, zwischen Schuss und Pass zu wählen.

Torabschlüsse nach Doppelpässen, Rückpässen von der Grundlinie und Flanken haben eine eigene Seite: Übungen zum Torabschluss.

Für die Jüngsten

Für die Jüngsten kann eine Torschussübung ein Wettlauf sein. Beim Schnelligkeitswettlauf auf einem Hütchenparcours umrunden zwei Dreierteams die Hütchen und schießen auf ein Minitor, und das Team, das zuerst alle drei Bälle im Tor hat, gewinnt. Die Schlange ist drei Spieler lang, und die Wartezeit vergeht mit Anfeuern.

Die FA weist darauf hin, dass das Spiel bei jüngeren Spielern chaotisch aussehen kann: Alle drängen sich um den Ball und schießen mit der Pike oder dem Spann. Ihr Rat ist, das anzunehmen [1]. Zuerst kommt das Vertrauen in die Grundtechnik, und mit Verteidigern wartest du vielleicht, bis die Spieler so weit sind [1]. Für Anfänger schlägt die FA ein Spieler gegen einen Torwart vor, damit niemand erst einen Gegner ausspielen muss, bevor er aufs Tor schießen kann [2].

Dreh deine eigene Schlangenübung um

Nimm eine Übung, die du gerade nutzt, und geh diese Fragen durch:

  • Wie viele Schüsse bekommt ein Spieler in zehn Minuten? Sind es weniger als zehn, stell mehr Tore auf und teile die Gruppe so, dass keine Schlange länger als drei ist.
  • Ändern sich Winkel, Fuß oder Entfernung von einer Wiederholung zur nächsten?
  • Ist die Schussposition nah genug? Für Spieler unter 12 Jahren reicht der Strafraum völlig.
  • Hat der Spieler Zeit, den Schuss vorzubereiten, oder hetzt ihn die Übung?
  • Endet die Einheit mit einem Spiel, in dem derselbe Schuss mit einem Gegner davor kommt?

Die Änderungen machst du vor der Einheit in der Übungsskizze auf der Taktiktafel: Tore verschieben, Hütchen ergänzen und deine eigene Version speichern.

Quellen

  1. The FA (2022): "How to coach shooting in football"
  2. The FA (2022): "How to design a football shooting session"
  3. Pulling, Twitchen & Pettefer (2016): "Goal Format in Small-Sided Soccer Games: Technical Actions and Offensive Scenarios of Prepubescent Players" — Sports
  4. García-Herrero, Sánchez-Sánchez, Luis-Pereira & Menayo (2016): "The effects of induced variability in the performance on shot in soccer" — International Journal of Sports Science & Coaching
  5. Masmoudi et al. (2021): "The Effects of Exercise Difficulty and Time-of-Day on the Perception of the Task and Soccer Performance in Child Soccer Players" — Children
  6. Silvino, Sarmento & Teoldo (2024): "Comparing the Tactical Behavior of Young Soccer Players in Full- and Small-Sided Games" — Research Quarterly for Exercise and Sport

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