Saisonperiodisierung für Jugendtrainer im Fußball

Eine Saison im Jugendfußball dauert meist 10–11 Monate. Das ist lang, und ohne klare Struktur wird das Training schnell zum ewig gleichen Ablauf. Die Spieler langweilen sich, die Entwicklung stockt, und das Verletzungsrisiko steigt [1].

Die Idee hinter der Saisonperiodisierung ist einfach: Der Schwerpunkt des Trainings verschiebt sich im Lauf der Saison nach Plan. Dafür brauchst du keine komplizierte Theorie, nur ein paar Grundsätze.

Warum periodisieren?

Gabbett (2016) hat in einer großen Übersichtsarbeit gezeigt, dass plötzliche Sprünge in der Trainingsbelastung der wichtigste einzelne Risikofaktor für Verletzungen im Sport sind [2]. Ein ACWR (acute:chronic workload ratio, Verhältnis von akuter zu chronischer Belastung) über 1,5 erhöht das Verletzungsrisiko um das 2–7-Fache.

Periodisieren heißt nicht, weniger zu trainieren. Es heißt, die Belastung kontrolliert zu steigern und Platz für Erholung zu lassen.

Ein Saisonmodell in drei Phasen

Bompa und Buzzichelli (2019) teilen die Saison in drei Hauptphasen [3]. Im Jugendfußball ist das Modell einfacher als im Erwachsenensport, die Logik dahinter bleibt aber dieselbe.

1. Vorbereitung (4–6 Wochen)

2. Wettkampfphase (6–8 Monate)

3. Saisonpause (4–8 Wochen)

Der Wochenrhythmus in der Saison

Anderson et al. (2016) haben den Wochenrhythmus junger Spitzenspieler untersucht. Wann die Belastung im Verhältnis zum Spiel liegt, beeinflusst sowohl die Leistung als auch das Verletzungsrisiko [5].

TagInhaltIntensität
Spiel +1Pause oder lockere RegenerationNiedrig
Spiel +2Technik, BallbeherrschungMittel
Spiel +3Härteste Einheit: Spielformen, KrafttrainingHoch
Spiel -2Taktiktraining, SpielvorbereitungMittel
Spiel -1Aktivierung, kurze Spiele, RegenerationNiedrig

Jugendmannschaften trainieren seltener (2–4-mal pro Woche), es braucht also nicht jeden Tag. Der Grundsatz bleibt: Die härteste Einheit liegt so weit wie möglich vom Spieltag entfernt.

Belastung im Blick behalten

Impellizzeri et al. (2019) empfehlen für Jugendmannschaften die Session-RPE-Methode zur Belastungskontrolle [6]. Sie ist einfach:

  1. Nach dem Training (30 min) bewertet der Spieler die Anstrengung auf einer Skala von 1–10
  2. RPE mal Dauer der Einheit in Minuten = Belastungseinheiten
  3. Die Belastungen der Woche werden addiert

Beispiel: Einheit von 90 Minuten, RPE 7 = 630 Einheiten. Die Wochenbelastung sollte sich gegenüber der Vorwoche um nicht mehr als 10 % ändern [2].

Unterschiede nach Altersklasse

Die Ausbildungsleitlinien des finnischen Fußballverbands (2023) legen altersgerechte Trainingsschwerpunkte fest [8]. Die Tabelle verbindet diese Schwerpunkte mit der typischen Zahl der Einheiten pro Woche in jeder Altersklasse.

AltersklasseEinheiten/WocheSchwerpunktBedarf an Periodisierung
U7–U91–2Vielfalt, Spaß, motorische GrundlagenKeine formale Periodisierung
U10–U122–3Ballbeherrschung, Können in Spielformen, Grundlagen der GewandtheitLeicht: Saison/Saisonpause
U13–U153–4Spielfähigkeit, taktisches Verständnis, körperliche EntwicklungWichtig: Wachstumsschub berücksichtigen [7]
U16–U184–5Training nach dem Spielmodell, AthletiktrainingSystematische Periodisierung

Den Wachstumsschub berücksichtigen

Read et al. (2021) haben gezeigt, dass das Verletzungsrisiko in der Phase rund um den PHV (peak height velocity, Zeitpunkt des schnellsten Längenwachstums) deutlich steigt [7]. Spieler, die mehr als 0,6 cm pro Monat wachsen, haben ein 1,63-mal so hohes Risiko.

Für die Praxis heißt das:

Beispielübungen für den Wochenrhythmus

Schwere und leichte Tage brauchen unterschiedliche Übungen. Hier je ein Beispiel:

3 gegen 3 mit Torhütern – TacticsBoard
3 gegen 3 mit Torhütern – eine intensive Spielform für schwere Tage (Spiel +3).
Passdreieck – TacticsBoard
Passdreieck – eine Technikübung für leichte Tage: niedriger Puls, viele Ballkontakte.

Was du wirklich brauchst

Für die Saisonperiodisierung brauchst du kein Sportwissenschaftsstudium. Du brauchst einen Plan für den Aufbau der Saison, einen Wochenrhythmus, der die Spiele berücksichtigt, und die Disziplin, leichte Tage leicht zu lassen, auch wenn sich härteres Training produktiver anfühlt.

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Quellen

  1. AAP (2024): "Overuse Injuries, Overtraining, and Burnout in Young Athletes" — Pediatrics
  2. Gabbett (2016): "The training-injury prevention paradox" — British Journal of Sports Medicine
  3. Bompa & Buzzichelli (2019): Periodization: Theory and Methodology of Training — Human Kinetics
  4. Los Arcos, Vazquez, Martin et al. (2015): "Effects of Small-Sided Games vs. Interval Training" — PLOS ONE
  5. Anderson, Orme, Di Michele et al. (2016): "Quantification of Seasonal-Long Physical Load in Soccer Players" — Journal of Sports Sciences
  6. Impellizzeri, Marcora & Coutts (2019): "Internal and External Training Load: 15 Years On" — International Journal of Sports Physiology and Performance
  7. Read et al. (2021): "Training Management of the Elite Adolescent Soccer Player" — IJSSC
  8. Finnish Football Association (2023): "Valmennuslinja 2023"

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